Hautkrebs (malignes Melanom)

Chirurgie

Direktor:
Prof. Dr. med. Robert Grützmann, MBA

Malignes Melanom

Hautkrebs (malignes Melanom)

Hintergrund: Das maligne Melanom ist ein bösartiger Tumor, der aus den pigmenttragenden Zellen der Haut entsteht. Eine Bildung ist überall am Körper möglich, auch unter den Finger- und Zehennägeln. Das maligne Melanom gehört zu den Malignomen mit der höchsten Zuwachsrate in der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten. Insgesamt werden 4 Haupt-Typen unterschieden: das superfiziell spreitende maligne Melanom (60-70% der Fälle), das noduläre Melanom (20% der Fälle), akral lokalisierte Melanome (5-10%) und Lentigo-maligna-Melanome.

Diagnostik: Die Diagnostik bei Hautkrebs bezieht sich vor allem auf die Hautveränderung selbst, aber auch auf die dazugehörigen Lymphabflusswege. Hierbei werden vor allem Ultraschall (Sonografie) und bei Verdacht auf fortgeschrittene Tumorleiden radiologische Schnittbildgebungen (CT) sowie nuklearmedizinische Bildgebungen (Szintigrafie, PET) eingesetzt.

Therapie: Bei Verdacht auf ein malignes Melanom sollte die komplette Läsion knapp im Gesunden exzidiert werden. Anschließend erfolgt nach histologischer Bestätigung der Diagnose ein weiteres differenziertes Vorgehen. So ist bei einer Tumordicke nach Breslow bis 2 mm eine Nachexzision mit einem Sicherheitsabstand von 1 cm und bei einer Tumordicke >2,00 mm eine Nachexzision mit 2 cm durchzuführen.

Wächterlymphknotenbiopsie (Sentinel Node Biopsie, SNB): Ab einer Tumordicke von 1,0 mm wird eine Wächterlymphknotenbiopsie (Sentinel Node Biopsie, SNB) durchgeführt. Liegen zusätzliche Risikofaktoren (Ulzeration, Nachweis von Mitosen) vor, so sollte die Wächterlymphknotenbiopsie bereits ab einer Tumordicke von 0,75 mm erfolgen. Sinn der gezielten Wächterlymphknotenentfernung ist es, bei äußerlich unauffälligem Lymphknotenbefund eine frühe Streuung des malignen Melanoms in die Lymphknoten nachzuweisen bzw. auszuschließen. Ist der Wächterlymphknoten frei von einem relevanten Tumorzellbefall, so ist vorerst keine weitere operative Therapie notwendig, sondern lediglich die regelmäßige Tumornachsorge. Über weitere zusätzliche medikamentöse Maßnahmen wird individuell entschieden.

Ablauf der Nachexzision und Wächterlymphknotenbiopsie: Sie stellen sich am Tag vor der geplanten Operation in der Nuklearmedizin vor. Dort wird eine Lymphabflussszintigrafie mit einer harmlosen radioaktiven Substanz durchgeführt, der Wächterlymphknoten mit einem speziellen Detektor identifiziert und die Stelle auf der Haut markiert. Bei dem Wächterlymphknoten handelt es sich um den ersten Lymphknoten, der als Filter vom Tumor aus angesehen wird. Nach der Untersuchung können Sie nach Hause gehen und sich am Folgetag zur Operation auf der chirurgischen Station vorstellen. Zu Beginn der Operation wird zusätzlich ein lymphgängiger Farbstoff (Patentblau) um die Narbe injiziert, um die Exaktheit des Auffindens des Wächterlymphknotens weiter zu optimieren. Mithilfe einer Gamma-Sonde wird der Wächterlymphknoten durch die gespeicherte Restaktivität intraoperativ identifiziert und gezielt entfernt sowie ggf. die Primärtumorstelle mit dem entsprechenden notwendigen Sicherheitsabstand in derselben Operation in Vollnarkose nachexzidiert.

Abhängig von der Wundgröße wird ggf. eine Drainage eingelegt, die im Normalfall bereits am Folgetag wieder entfernt werden kann. Ca. 1 bis 2 Tage nach der Operation können Sie wieder nach Hause entlassen werden. Sollte ein primärer Verschluss der Wunde nicht möglich sein, so wird ein Vakuum-Verband (VAC-Therapie) angelegt bzw. es erfolgt im Verlauf ggf. eine plastische Deckung des Defektes. Der stationäre Aufenthalt ist dann in Abhängigkeit von der notwendigen weiteren Therapie länger.

Lymphknotendissektion (Lymphadenektomie, LAD): Bei dem Nachweis einer lymphogenen Metastasierung (histologisch oder bildmorphologisch) ist eine Lymphknotendissektion durchzuführen. Hierbei handelt es sich um die komplette Entfernung des Lymphknotenpaketes in einem Abflussgebiet (z.B. Achsel oder Leiste). Nach Entfernung der Lymphkoten werden intraoperativ meist mehrere Drainagen eingelegt, um die Lymphflüssigkeit aus dem Wundgebiet abzuleiten.

Nicht selten werden die Patienten mit einer Drainage entlassen, die möglicherweise bis zu 3 Wochen postoperativ belassen werden muss. Während des stationären Aufenthaltes wird ein (Arm-/Bein-)Kompressions-Strumpf durch einen Orthopädietechniker angepasst. Hierdurch kann eine Schwellung des Armes bzw. Beines (durch den postoperativ gestörten Lymphabfluss nach LAD) verhindert bzw. minimiert werden.

Hypertherme Extremitätenperfusion (Isolated Limb Perfusion, ILP): Bei Patienten mit multiplen, rasch rezidivierenden Haut- und subcutanen Metastasen (Satellitosis, In-transit-Metastasen, lokale Metastasen) an einer Gliedmaße, die chirurgisch nicht komplett entfernt werden können, kann evtl. eine isolierte hypertherme Extremitätenperfusion durchgeführt werden. Hierbei wird die Extremität vom restlichen Körperkreislauf mithilfe einer Herz-Lungen-Maschine abgekoppelt, auf ca. 40°C erwärmt und mit einem hoch dosierten Medikament (Zytostatikum) durchgespült. Bei ca. 80% der Patienten kommt es zum Ansprechen der Metastasen auf diese spezielle Behandlungsmethode. Langfristige Dauerheilungen sind dadurch möglich.

Besonderheiten: Die Chirurgische Klinik arbeitet in engem Kontakt mit der Hautklinik der Universitätsklinikums. Es finden regelmäßig gemeinsame Tumorboards statt, in denen interdisziplinär die Therapien für Patienten mit malignen Melanomen individuell besprochen werden. Alle Patienten mit einem malignen Melanom sollten sich zunächst in der Hautklinik untersuchen lassen und werden bei Bedarf von den Kollegen der Dermatologie konsiliarisch in der Chirurgischen Klinik vorgestellt.

Sprechstunde: Ansprechpartner für das maligne Melanom in der Chirurgischen Klinik sind Prof. Dr. J. Göhl und PD Dr. V. Schellerer.